Pflegestufen, Pflegestufe, Pflegegeld, Pflegekasse, MDK, Pflegebedürftigkeit, Pflege, Hauspflege, Stüdemann, Berlin

Mit Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes am 1. Januar 2016 wurden die Weichen für einen  neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff gestellt, der seit dem 1. Januar 2017 gilt. Fünf neue Pflegegrade ersetzen die bisherigen drei Pflegestufen. Künftig erhalten alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind. Die Überleitung in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch. (Quelle)

Leistungsbeträge der fünf Pflegegrade (PG)

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wächst die Zahl der Versicherten, die Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben, da die Unterstützung deutlich früher ansetzt. In den Pflegegrad 1 werden künftig erstmalig Menschen eingestuft, die noch keine erheblichen Beeinträchtigungen haben, aber schon in gewissem Maß – zumeist körperlich – eingeschränkt sind. Grundlage: §41, §42, § 43 SGB XI

PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Geldleistungen
ambulant
125 € * 316 € 545 € 728 € 901 €
Sachleistungen ambulant 689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Leistungsbetrag vollstationär 125 € 770 € 1.262 € 1.775€ 2.005 €

*)  Nur zweckgebundene Kostenerstattung (keine Geldleistung).

Die Definition der fünf Pflegegrade

Absatz 3 des 2017 neugeregelten §15 Sozialgesetzbuch XI definiert folgende fünf Pflegegrade:

Pflegegrad 1 (ab 12,5 Gesamtpunkten):
Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 2 (ab 27 Gesamtpunkten):
Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 3 (ab 47,5 Gesamtpunkten):
Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 4 (ab 70 Gesamtpunkten):
Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 5 (ab 90 Gesamtpunkten):
Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderer Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Begriff der Pflegebedürftigkeit

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) definiert den Begriff der Pflegebedürftigkeit in §14 Sozialgesetzbuch XI seit dem 1. Januar 2017 folgendermaßen:

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeiten aufweisen und deshalb Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in §15 festgelegten Schwere bestehen.

(2) Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten sind die in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten Kriterien:
1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

(3) Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die dazu führen, dass die Haushaltsführung nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden kann, werden bei den Kriterien der in Absatz 2 genannten Bereiche berücksichtigt.

Begutachtungsinstrument

Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird anhand von sechs Modulen geprüft (§15 Absatz 2 SGB XI). Für jedes Kriterium das in den Modulen geprüft wird, werden Punkte vergeben. In Abhängigkeit der ermittelten Gesamtpunkte, wird eine pflegebedürftige Person einem Pflegegrad zugeordnet.

Modul 1: Einzelpunkte im Bereich der Mobilität:
Geprüfte Kriterien: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, usw.

Modul 2: Einzelpunkte im Bereich der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten:
Geprüfte Kriterien: Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche und zeitliche Orientierung, Erkennen von Risiken und Gefahren, Beteiligung an einem Gespräch, usw.

Modul 3: Einzelpunkte im Bereich der Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen:
Geprüfte Kriterien: Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, Wahnvorstellungen, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, usw.

Modul 4: Einzelpunkte im Bereich der Selbstversorgung
Geprüfte Kriterien: Waschen des vorderen Oberkörpers, An- und Auskleiden des Ober- und Unterkörpers, Essen und Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, usw.

Modul 5: Einzelpunkte im Bereich der Bewältigung von und des selbständigen Umgangs mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Geprüfte Kriterien: Medikation, Versorgung intravenöser Zugänge (Port), Messung und Deutung von Körperzuständen, Verbandwechsel und Wundversorgung, Arztbesuche, usw.

Modul 6: Einzelpunkte im Bereich der Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte
Geprüfte Kriterien: Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, usw.

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sowie alle Kriterien der sechs Module als PDF-Datei:
Zweites Pflegestärkungsgesetz – PSG II (PDF)

Hinweise zur Pflegebegutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ab 2017:
https://www.pflegebegutachtung.de/versicherte/informationen-zur-pflegebegutachtung.html

Übergangsregelung von Pflegestufen (bis 2016) zu Pflegegraden (seit 2017):
Überleitung von Pflegestufen zu Pflegegraden